Lieber John Q.,

die Geschichte des Bloggens ist eine Geschichte voller Missverständnisse, um Dir das ganze mal zu verdeutlichen, habe ich versucht, das Leben der „Digitalen Bohème“ auf dem Land an einem ganz normalen Wochenende mal skizzenhaft einzufangen – wir haben hier auch gar nicht so viele Poller hier, an die ich mich cool biersaufend lehnen könnte …

Man könnte die auf dem Land lebende „Digitale Bohème“ folglich auch als spießig bezeichnen (sie hört beim Bloggen auch noch „Beautiful South“ – o wei!) , aber das ist ja keine Lebenseinstellung für solche mit den neuen Medien leichtfüßig herumjonglierenden Künstleravantgardisten.

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9 Responses to “Lieber John Q.,”


  1. 1 John Q. 05/11/2006 um 18:34

    Uhhh, ein Cartoon nur für mich. Freu, hüpf! War der Kuchen lecker?

    Die Digitalen Bohème da in Bärlin unterscheidet sich von der Land Bohème nur durch das, was sie zwischen dem Bloggen macht. Beim Bloggen machen die auch nur groben Unfug. Ok, sie spielen nicht mit Socken vor der Kamera 🙂

  2. 2 schnutinger 05/11/2006 um 18:45

    War lecker, ja! Ja, den Eindruck habe ich auch Nee, nochmal drüber nachgedacht, eben nicht. Wir hier auf dem Land sind olle Spießer – siehe Zeichnung.
    Aber dieses bloggen macht einfach deshalb so viel Spaß, weil man mal wieder so richtig Kind sein kann und allen Quatsch, der einem so im Kopf „rumtobt“, auf die vielfältigste Art und Weise raus lassen kann, bisschen trashig das ganze und das liegt mir sehr – und ja, ich mag die Tube deswegen auch, ich finde sie bisweilen witzig (okay, das ganze hätte mehr Charme, wenn ich sieben dreiviertel Jahre alt wäre, ja).
    Ich muss derzeit immer etwas schmunzeln, wenn ich in irgendwelchen Blogs von diesen Radio- oder Podcastsessions lese (ich glaube der Trackback der Spreeblicker ist sowas). Also, da treffen sich Blogger irgendwo, stellen ein Aufnahmegerät in die Mitte und dann unterhalten die sich über irgend ein Thema. (Ich glaube, im Handelsblatt-Blog gibt es jetzt mit der Bel-Etage was ähnliches)
    Ehrlich, das haben wir doch schon als Kinder immer gemacht: Kassettenrekorder auf den Teppich, Papas Oldie-Mischung, Rille mit Tesa zukleben, klicks, an und dann haben wir das „Aktuelle Sportstudio“ nachgespielt. Ich muss unbedingt mal sehen, dass ich so ein Tape mal wieder in die Hände bekomme. Wir waren nämlich richtig gut damals, Bruderherzchen, Cousinchen und ich.

    Manchmal macht es einfach Spaß ganz unprofessionell herumzuexperimentieren und zu sehen, was dann dabei rauskommt – ich fühle mich dabei schrecklich avantgardistisch? 😉

  3. 3 Heinz K. 07/11/2006 um 08:17

    Hallo Schnutinger,

    vielleicht geht es manchmal nicht generell um ein Stadt/Land-Gefälle oder diesbezügliche Diffamierungen, sondern um historisch bedingte Besonderheiten des „Stnadorts Berlin“.
    http://www.mercedes-bunz.de/index.php/texte/urbaner-penner/

  4. 4 Schnutinger 07/11/2006 um 09:37

    Lieber Heinz K., der Artikel gefällt mir gut und trifft den Nagel und das Lebensgefühl vermutlich auf den Kopf. Ich wollte keineswegs diffamierend sein. Denn – o Wunder – auch ich habe Freunde in Berlin, die von einem ähnlichen Schicksal betroffen sind und Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen gibt es leider auch hier auf dem Land en masse.
    Aber, lieber Heinz, ich kann mich auch noch an Zeiten erinnern, in denen ich – von den zum Studium nach Berlin strömenden – für meinen provinziellen Lebensstil belächelt worden bin. Nun wollen sie alle wieder weg, die Anfang bis Mitte 30jährigen (ja haben sogar eine gewisse Sehnsucht nach dem Landleben – siehe Florian Illies „Ortsgespräch“) und meckern und nörgeln herum und finden Berlin ganz schrecklich – auch dafür habe ich Verständnis und ich will das nicht gegeneinander aufwiegen.
    Es ist in der Tat sehr bedauerlich, dass es unsere Hauptstadt mit einer derartigen kulturellen Vergangenheit nicht vermag, die vielen Kulturschaffenden dort ausreichend in Lohn und Brot zu hieven und dort am ehesten gespart wird, wo es den Nerv dieser Stadt sehr trifft, nämlich bei der Kultur. Meines Erachtens ist es für ein Land essentiell, eine Hauptstadt mit einer großen kulturellen Ausstrahlungskraft zu haben – als Motor und Vorbild für Intellekt, Bildung und Innovation, kulturelle Hauptstadteliten sind m.E. sehr wichtig (da könnte man jetzt ebenfalls Beispiele aus der Vergangenheit nennen, siehe Ansichten von Herrn Schwanitz). Wir sind hier in Deutschland immer noch viel zu provinziell und zu miefig, das hemmt uns in vielen Bereichen. Woran das liegt, ist uns allen bewusst. Man kann nur froh sein, dass wenigstens der Regierungsumzug geklappt hat.
    Und doch entstehen gerade in dieser Krise auch viele spannende Projekte in Berlin – einen Gruß an die Dummy-Redaktion an dieser Stelle – und ich bin immer wieder beeindruckt, mit welchem Kraftakt Leute mit wenig Geld und vielen Ideen tolle Projekte in Eigeninitiative stemmen. Eine Krise kann auch eine Chance sein, ja. Das versucht die Bloggerzunft ja schließlich auch zu beweisen und ich freue mich sehr, wenn es erfolgreich glückt.
    Zu den urbanen Pennern: Ein cooles Lebensgefühl tröstet vermutlich auf Dauer nicht unbedingt über eine völlig auswegslose Situation hinweg und bis zur Rente (welche Rente???) immer nur am Poller stehende und biertrinkende Subkultur spielen zu müssen, stelle ich mir ab einem gewissen Alter auch eher frustrierend vor.
    Es ist die Frage, ob man durch Bloggen – in der Breite – etwas ändern kann (sofern man es überhaupt will), oder ob das ganze nicht eine selbstgefällige Farce ist. Muss man nicht der Politik stattdessen mal einen kräftigen Tritt geben? Ich finde es sehr traurig, dass hochausgebildete und motivierte junge Leute – nicht nur im kulturellen Bereich, die können sich ja schließlich noch in die „Digitale Bohème“ retten – keine (adäquaten) Jobs mehr finden – nein, es macht mich wütend!
    Huch, das ist ja reichlich viel Text geworden.
    PS Eigentlich wollte ich mit der Zeichnung nur verdeutlichen, dass das Leben als Bohème auf dem Land auch nicht immer einfach ist! Wer kann denn soviel Kuchen und Roastbeef unbeschadet überstehen? Ich habe einen erhöhten Cholesterinwert mit Anfang 30. Die Nebenwirkungen des Landlebens sind nicht zu unterschätzen 🙂

  5. 5 Schnutinger 07/11/2006 um 10:26

    Habe zu dem Themenkomplex gerade einen hervorragenden Artikel vom 27.4.2006 in der ZEIT gefunden! Sehr empfehlenswerte Zusammenfassung der Gesamtproblematik:

    „Von der Boheme zur Unterschicht-
    Job, Geld, Leben – nichts ist mehr sicher. Eine neue Klasse der Ausgebeuteten begehrt auf: Das Prekariat – Von Thomas Gross“

  6. 6 Heinz K. 07/11/2006 um 20:16

    Sorry Schnutinger,

    mir ist was durcheinander geraten. Hatte gedacht, dass du eine Persiflage auf Städter geschaffen hast, die über das Landvolk abziehn, weil ich an anderer Stelle bzgl. meiner Berlin–Idealisierungen was auf die Mütze gekriegt habe. Dabei ging es mir um eben ein Lebensgefühl bzw. freiere Lebensgestaltung, wie sie in Berlin möglich ist.

    Lebe zur Zeit selber auf dem Land und weiss, dass es alles andere als einfach ist.

    Sorry nochmal.

    Ich finde deinen Blog ziemlich klasse und ausdruckvoll.

    Beste Wünsche,
    Heinz

  7. 7 Schnutinger 07/11/2006 um 20:39

    Um lovely (… räusper …) Nina Ruge zu zitieren: „Alles wird gut!“ oder „Alles ist Land“ – das wissen wir doch spätestens seit der WM! 😉 Im Grunde ha(tte)st du ja recht. (Mich nervt dieses Großstadt-Gepose in der Tat schon manchmal etwas an).
    „Wir sollten alle einfach mehr Verständnis füreinander haben und dieses Schubladendasein verlassen und es gemeinsam stemmen“, flüstert mir der Wirrkopf gerade ins rechte Ohr.

  8. 8 Heinz K. 07/11/2006 um 20:50

    hup hup 😉

    Der Zeit Artikel ist richtig gut. Danke.

    Ich bin der „prekären Situation“ (vorerst) durch Flucht aufs Land in eine Festanstellung entronnen. Eben so, wie du es auch bereits dargestellt hast.

  9. 9 Schnutinger 07/11/2006 um 20:53

    Gleitzeit, Kantine, Kaffeeküche, Betriebsrat, Altersvorsorge und Abteilungsausflüge haben auch was für sich 😉


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