Das Christkind bei der Agentur für Arbeit

Cartoon Das Christkind bei der Agentur für Arbeit auf www.schnutinger.de, dem ultimativen deutschen Cartoon Blog

Das braucht ihr zum Nachspielen:

Herrn Plönzke von der Agentur für Arbeit
Ein Christkind
Einen Tisch
Zwei Stühle
Einen PC mit super Jobdatenbank
Irgendeine Nummer von 1 bis 3,99 Millionen

Los geht’s:

Plönzke: Nummer 345 bitte!

Christkind: Ah, das bin ich! Guten Tag!

Plönzke: Guten Tag! Nehmen sie bitte Platz! Name?

Christkind: Christkind!

Plönzke: Wie bitte?

Christkind: Christkind!

Plönzke: Also Vorname Christ und Nachname Kind, ja?

Christkind: Äh … ja …

Plönzke: Religion?

Christkind: Jüdisch geboren, dann sozusagen christlich geworden, wobei ich
eigentlich eine protestantische Erfindung bin, aber auch von Katholiken
anerkannt werde, also ökumenisch im Grunde.

Plönzke: Ökumenisch? Gibts hier nicht! Na Egal! Geburtstag?

Christkind: Nullter, nullter, null!

Plönzke: Nun sagen sie mal, wir sind hier nicht zum Vergnügen da, ja? Zeit
ist Geld Kindchen, schon mal was von Kosteneffizienz gehört? Also bitte, wann
feiern sie ihren Geburtstag?

Christkind: Am 24. Dezember!

Plönzke: Gut, gut, in welchem Jahr?

Christkind: In jedem Jahr!

Plönzke: Sehr witzig! Nennen sie mir bitte eine Jahreszahl.

Christkind: Äh … Neunzehnhundertfünfundsiebzig.

Plönzke: Na bitte, geht doch! Geschlecht?

Christkind: Also geboren bin ich als Mann, aber jetzt meinen viele, ich sei
eine Frau! Und ich sehe ja auch aus wie eine Frau! Also ich weiß nicht
so recht …

Plönzke: Also sind sie so was wie ein Transvestit? Du liebe Güte, dann
brauche ich ja eigentlich das Formular aus dem
Antidiskriminierungsdezernat ….

Christkind: Ach, schreiben sie einfach was sie wollen.

Plönzke: Ausnahmsweise, aber machen sie mir bloß keinen Ärger, ja?
Geburtsort?

Christkind: Bethlehem.

Plönzke: Aha, Ausländer also auch noch! Wie lange halten sie sich schon in
Deutschland auf?

Christkind: Eigentlich schon immer!

Plönzke: Also seit ihrer Geburt?

Christkind: Ja!

Plönzke: Aha, dürfte ich trotzdem mal ihre Aufenthaltsgenehmigung sehen?

Christkind: Hab ich nicht!

Plönzke: Auch das noch! Illegal! Na das kann ja heiter werden! Kindchen,
jetzt sagen sie doch mal, warum sie eigentlich hier sind.

Christkind: In den vergangenen Jahren wurde meine Stelle mehr und mehr
wegrationalisiert. Weihnachtsmänner, verstehen sie! Jeder kann ja
heutzutage Weihnachtsmann sein, dafür braucht man nicht mal eine
Ausbildung oder Tradition! Das führte zu einem regelrechten
Weihnachtsmannüberschuss, der meine Stellung als Christkind überflüssig
machte.

Plönzke: Tja ja, so ist das in Zeiten von Globalisierung, damit müssen sie
sich abfinden, Kindchen, die Märkte ändern sich und damit auch die
Ansprüche der Konsumenten. Die wollen lieber einen einfach
gestrickten, handfesten dicken Mann mit Knollenase und rotem Mantel, der
immer nur „Ho! Ho! Ho!““ brüllt, statt so ein kompliziertes esoterisch
angehauchtes Zwitterdings in Walle-Walle-Kleidchen mit Goldlöckchen,
wissen sie!

Haben Sie vielleicht besondere Eigenschaften, ich meine Vorzüge, die
andere in ihrer Branche nicht vorweisen können?

Christkind: Ich bin heilig!

Plönzke: Heilig? Das trag’ ich mal unter soft skills ein!
Haben sie über diese … äh … Heiligkeit vielleicht ein Zertifikat oder so?

Christkind: Nein!

Plönzke: Kommen wir zu ihrer Ausbildung …

Christkind: Ja also, in meiner Kindheit habe ich die örtlichen Tempelvorsteher
aufgemischt, in meiner Jugend bin ich mit meinen Freunden ein wenig
durch die Lande gezogen, habe Bergpredigen gehalten und Wunder vollbracht
und schließlich bin ich gekreuzigt worden.

Plönzke: Aha, Erfahrungen im Kreuzigungsgewerbe, gut, gut, da machen wir was
draus. Und was genau waren das für Wunder?

Christkind: Aus Wasser Wein machen, Brotvermehrung, übers Wasser laufen, Blinde
heilen und so…

Plönzke: Aha, also so eine Art Zauberkünstler, was? Kindchen, sie brauchen
zunächst mal einen knackigen Lebenslauf sage ich Ihnen. Was haben denn
beispielsweise ihre Eltern gemacht?

Christkind: Mein Stiefvater war Schreiner und meine Mutter Hausfrau.

Plönzke: Dann schreiben wir mal Executive Wood Manager und aus ihrer Mutter
machen wir mal die Chefin eines modernen mittelständischen Familienunternehhmens.

Christkind: Also ich weiß nicht, mittelständisch …

Plönzke: Nun sein‘ se‘ doch mal still Kindchen! Und ihr richtiger Vater, was
hat der gemacht?

Christkind: Mein richtiger Vater ist Weltenherrscher und Religionsstifter!

Plönzke: Aber, aber, Kindchen! Kein Wunder, dass sie sich für ihren Vater schämen, scheint ja eine höchst suspekte Person zu sein! Es fällt mir nicht leicht, aber ich sage es
ihnen direkt, ihre Herkunft aus solch‘ asozialen Verhältnissen, steigert
ihre Chancen auf dem Berufsmarkt natürlich nicht! Unterschichtenkinder
haben es heutzutage besonders schwer, einen Job zu finden.

Christkind: Aber ich …

Plönzke: Irgendwelche Fremdsprachenkenntnisse?

Christkind: Hebräisch.

Plönzke: Hm, das ist gerade nicht so nachgefragt, aber mal sehen. Passen sie
mal auf, jetzt gebe ich ihre Daten mal in unseren Computer ein, warten
sie und gleich wird er mir ein paar Jobvorschläge für sie ausspucken

Christkind: Also, ich weiß nicht …

Plönzke: Momentchen, er rechnet noch … so, jetzt hat er anscheinend was
gefunden, ja, hier … steht … Jesus! Jesus? Was ist denn das für ein
komischer Beruf? Hab ich ja noch nie gehört und ich habe schon vieles
gehört, wissen sie …

Christkind: Äh, es ist eher eine Berufung würde ich sagen …

Plönzke: Nun seien sie doch mal still Kindchen! Na da haben wir es ja
schon! Perfekt! Da ist genau eine Stelle frei geworden vor etwa … äh
… eintausendneunhundertsechsundsiebzig Jahren. Wunderbar, ihr
Lebenslauf passt exakt mit dem Stellenprofil überein! Kindchen, viel
Glück!

Christkind: Ja danke! Und was soll ich da jetzt machen???

Plönzke: Na, erlösen Kindchen, immer fleißig erlösen! So, hier sind die Unterlagen! Und
jetzt marsch, marsch! Und ziehen sie sich mal was gescheites an und wenn
ich ihnen einen Tipp geben darf: Zum Bewerbungsgespräch die Haare
abschneiden, ja? Die suchen da nämlich ausdrücklich einen Mann für die
Stelle!

Der nächste Bitte!

Das Copyright dieses Textes liegt beim Schnutinger – siehe Link Copyright.

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12 Responses to “Das Christkind bei der Agentur für Arbeit”


  1. 1 Anika Lindtner 13/12/2006 um 15:17

    Ach…wie wunderbar! Klasse! Echt, davon könnte ich Romane lesen! Danke 🙂

    (Executive Wood Manager…köstlich^^)

  2. 2 Thomas 13/12/2006 um 19:18

    BLASPHEMIE!!1!!!

  3. 3 schnutinger 13/12/2006 um 19:26

    @ Thomas: Und du kriegst ab sofort „Life of Brian“-Verbot!

  4. 4 zmivv 13/12/2006 um 21:56

    Ha, toll.
    Super.
    Ich komm immer wieder gern hierher.
    Wenigstens hat das Christkind dann, falls es angenommen wird, auch einen Ganzjahresjob, nicht solche Saisonplörre, wie der dicke Mann mit dem roten Sack 😉

  5. 5 Diana 14/12/2006 um 09:12

    ICH GEH KAPUTT VOR LACHEN!!! 😀

  6. 6 Christian D. 10/01/2007 um 16:41

    JEHOVA! JEHOVA!

  7. 7 edfgsd 28/10/2007 um 09:24

    SSSSSCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCCHHHHHHHHHHEEEEEEEEEEEEEIIIIIIIIßßßßßßßßßßßßßßßßßEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE!

  8. 8 bussi 04/12/2007 um 19:26

    SUPER

  9. 9 bussi 04/12/2007 um 19:27

    Blas Feminin

  10. 10 Anna 14/12/2010 um 15:19

    Das ist leider kein bisschen lustig…

  11. 11 juana 25/09/2012 um 15:56

    Das ist nicht wirklich witzig!!


  1. 1 Querbeet: Dinge, die man einfach nicht mehr macht & Christkind beim Arbeitsamt « Last-IP Blog Trackback zu 25/11/2007 um 18:39

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